14. Deutschsprachiger Japanologentag

ausgerichtet von der Gesellschaft für Japanforschung e.V. (GJF)
und der Japanologie der Universität Halle-Wittenberg

29. September bis 2. Oktober 2009

an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

 Eröffnung
 Geschichte
 Gesellschaft
 Informationswissenschaft
 Kunst
 Linguistik
 Literatur
 Medien
 Philosophie
 Politik
 Recht
 Religion
 Theater
 Wirtschaft
 Japanische Kindheiten
 Mädchen im Moratorium
 Gewichtung von Publ. im
 japanologischen Wissen-
 schaftsbetrieb
 Der mobilisierte Bürger?
 Doktorandenpanel
 Studentenpanel
 Abschlusspanel
in Zusammenarbeit mit:
Gesellschaft für Japanforschung (GJF)
Japan Foundation
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Sektion POLITIK

Thema: Bürger und Staat

Leiterin: Prof. Dr. Gesine FOLJANTY-JOST
Mittwoch, 30.9.2009  |   Hörsaal XIX

14:00−14:40

Naoshi YAMAWAKI (Tōkyō): Bürger und Staat in Japan aus Sicht der public philosophy

14:40−15:15

Jörg KRUTH (Köln): Die japanische Zivilgesellschaft nach 1998

PAUSE

15:45−16:20

Verena BLECHINGER-TALCOTT (Berlin): Unternehmen als Partner der Zivilgesellschaft? Social Business in Japan

16:20−16:55

Michiko MAE (Düsseldorf): Neue Form zivilgesellschaftlicher Partizipation als Folge transkultureller Wandlungsprozesse in Japan

16:55−17:30

Gabriele VOGT (Hamburg): Bürger ohne Rechte? Zur soziopolitischen Partizipation von Japans Zuwanderern

17:30−18:15

Wolfgang SEIFERT (Heidelberg): Von den Schwierigkeiten, ein Bürger zu werden – Japan, Korea, Palästina



ABSTRACT / Call for Paper:
Bürger und Staat

Das politische System Japans hat sich von dem Stigma einer defizitären Demokratie nie vollständig befreien können, sei es im normativ im Hinblick auf die Funktionsweise der politischen Opposition, sei es im Hinblick auf die Unmöglichkeit einer kommunalen Selbstverwaltung. Seit mehr als einer Dekade sind jedoch in Japan grundlegende Veränderungen im Verhältnis von Bürger und Staat zu beobachten. Einerseits ist festzustellen, dass sich immer mehr Bürger und Bürgerinnen von der konventionellen Partizipation fernhalten. Gesprochen wird von Politikverdrossenheit oder Entpolitisierung, festgemacht werden diese Bezeichnungen vor allem an dem Rückgang der Wahlbeteiligung auf nationaler und lokaler Ebene. Gleichzeitig ist jedoch auch eine Zunahme und Ausdifferenzierung von Beteiligungsformen und Beteiligungsbegehren auf Seiten der Bürger und Bürgerinnen festzustellen. So wird seit Ende der 1980er Jahre ein Aufschwung in zivilgesellschaftlichem Engagement beobachtet, seit Mitte der 1990er Jahre spricht man von einem „volunteer boom“. Die Zahl der Bürger und Bürgerinnen, die ein Ehrenamt ausfüllen oder sich innerhalb und außerhalb von Vereinen engagieren, steigt. Die Palette von Aktivitätsfeldern reicht von Stadtteilverschönerung über das Erbringen von sozialen Diensten bis hin zu Integrationshilfe oder globalem Klimaschutz. Das Vordringen des Bürgers in den öffentlichen Raum in Verbindung mit einem Mitgestaltungs- und Mitbestimmungsbegehren hat institutionelle und konzeptionelle Wandlungssprozesse in Gang gesetzt, die sich auf unterschiedlichen Ebenen des politischen Systems abspielen. Hinzuweisen ist beispielsweise auf die Einführung neuer Formen direktdemokratischer Beteiligung, neue Funktionszuschreibungen für Staat und Bürger und neue Kooperationsformen zwischen Staat und nicht-staatlichen Akteuren. Theoretisch lassen sich diese neuen Entwicklungen mit Ansätzen wie dem Governance-Ansatz oder dem Zivilgesellschaftsansatz fassen.

Die Sektion nimmt die Wandlungsprozesse in Japan im Bürger-Staat-Verhältnis in den Blick. Sie fragt nach Antriebskräften und Erscheinungsformen des Wandels und seine Demokratisierungspotenziale. Erbeten werden Themenvorschläge zu Vorträgen (20 Minuten Vortrag plus 10 Minuten Diskussion), die sich auf verschiedene Ebenen des politischen Systems ebenso beziehen können wie auf unterschiedliche Politikfelder, oder aber auch Diffusionsprozesse zwischen den Ebenen in den Blick nehmen. Das Einbringen vergleichender Perspektiven beispielsweise auf Deutschland ist willkommen, aber nicht zwingend. Wünschenswert wäre der Fokus auf die Folgen der Wandlungsprozesse auf die Weiterentwicklung der Demokratie in Japan.

Es wird gebeten, möglichst früh Rücksprache zu halten, Themenvorschläge spätestens aber bis zum 30.01.2009 zusammen mit einer Zusammenfassung von nicht mehr als einer Seite an die Sektionsleiterin zu senden.


Kontakt:

Prof. Dr. Gesine Foljanty-Jost
Institut für Politikwissenschaft und Japanologie
Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4
06120 Halle (Saale)
Tel.: 0345-55-24331
Fax: 0345-55-27059
E-Mail: gesine.foljanty-jost (at) japanologie.uni-halle.de