14. Deutschsprachiger Japanologentag

ausgerichtet von der Gesellschaft für Japanforschung e.V. (GJF)
und der Japanologie der Universität Halle-Wittenberg

29. September bis 2. Oktober 2009

an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

 Eröffnung
 Geschichte
 Gesellschaft
 Informationswissenschaft
 Kunst
 Linguistik
 Literatur
 Medien
 Philosophie
 Politik
 Recht
 Religion
 Theater
 Wirtschaft
 Japanische Kindheiten
 Mädchen im Moratorium
 Gewichtung von Publ. im
 japanologischen Wissen-
 schaftsbetrieb
 Der mobilisierte Bürger?
 Doktorandenpanel
 Studentenpanel
 Abschlusspanel
in Zusammenarbeit mit:
Gesellschaft für Japanforschung (GJF)
Japan Foundation
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Panel:
MÄDCHEN IM MORATORIUM – EMO-FORMATE UND MAKRO-LIFESTYLEDESIGN IN DER ZEITGENÖSSISCHEN JAPANISCHEN LITERATUR

Leiterin: Prof. Dr. Lisette GEBHARDT
Mittwoch, 30.9.2009  |   Hörsaal F

14:00−14:30

Nadine SCHERER (Frankfurt): „Neo-Masochismus“: Das Pychoprofil der Protagonistinnen bei Kanehara Hitomi

14:30−15:00

Tanja CHRISTMANN (Frankfurt): Seo Maiko – ein „Banana-Mädchen“ und seine Message

15:00−15:30

Daniela TAN (Zürich): KörperArbeit – Arbeitskörper: Frauen im Off? 3 Phasen in Kawakami Miekos „Chichi to ran“

15:30−16:00

Lisette GEBHARDT (Frankfurt): „Moratoriumsliteratur“ – eine Exkursion in das Psychodesign japanischer Texte



ABSTRACT:
Mädchen im Moratorium – Emo-Formate und Makro-Lifestyledesign in der zeitgenössischen japanischen Literatur

Die zeitgenössische japanische Literatur weist in der Gegenüberstellung mit dem bislang verbürgten Kanon der Gegenwartsliteratur (gendai bungaku) signifikante Veränderungen auf – spätestens seit der Ausrufung des Slogans „J-Literatur“ (J-Bungaku) Ende der 1990er Jahre ist festzustellen, dass in Japan ein bildungsbürgerliches Literaturverständnis und mit ihm die „reine Literatur“ (junbungaku) von einer Präsentation der Literatur als Lifestyle-Artikel abgelöst wurde. Innerhalb dieser  kommerzialisierten Literaturszene der Heisei-Ära, für die etwa auch eine Literaturzeitschrift wie Da Vinci steht, agieren Autoren nicht mehr als Gelehrte, Intellektuelle oder Ästheten, sondern als Anbieter von Texten, die den Zeitgeist und seine konsumkulturellen Strömungen umsetzen. Immer mehr, so scheint es, arbeiten japanische Schriftsteller – nicht selten zu ihrem Bedauern – im Rahmen vorgegebener Muster, zielen mit ihren Texten darauf ab, Leserprofile zu bedienen und aktuelle Befindlichkeiten der japanischen Mediengesellschaft zu illustrieren. Auffällig ist seit einigen Jahren das literarische Echo auf populäre Makrodiskurse um defizitäre Soziotypen (NEETs, Freeter, hikikomori) und psychologische Problemlagen. Ein psychologisches Konzept, von dem Literaturkritiker behaupten, es präge die Heisei-Literatur, ist das „Moratorium“, das Murakami Haruki und Yoshimoto Banana in die japanische Literatur einführten. Das Moratorium als Haltung der Reifungsvermeidung – angesichts einer offenbar wenig befriedigenden Reifungsgratifikation – besitzt als Thema der zeitgenössischen japanischen Literatur tatsächlich einige Kontinuität. Eine japanische Moratoriumsliteratur, so die These, beschreibt ideale Fluchträume des Individuums, das sich auf „Realität“ nicht mehr einlassen will; sie bietet zwischen Bejahung des Refugiums und pädagogischem Auftrag Heilung, Trost (Stichwort iyashi) und Lebensberatung für augenscheinlich Traumatisierte, kultiviert im Sinne eines „Emo-Formates“ Gefühle für die seelisch Prekären des gegenwärtigen Japan.

Die Referate des Panels „Mädchen im Moratorium – Emo-Formate und Makro-Lifestyledesign in der zeitgenössischen japanischen Literatur“ befassen sich mit Texten der in Japan sehr populären Autorinnen Kanehara Hitomi, Seo Maiko, Kawakami Mieko, Kawakami Hiromi und Kakuta Mitsuyo; als repräsentative Fallstudien wollen sie einen Beitrag zur Erschließung der aktuellen japanischen Literaturszene leisten.


Kontakt:

Prof. Dr. Lisette Gebhardt
Goethe-Universität Frankfurt
Literatur- und Kulturwissenschaften
Senckenberganlage 31
60325 Frankfurt am Main
Tel.: 069/798-22853
E-mail: Gebhardt (at) em.uni-frankfurt.de