14. Deutschsprachiger Japanologentag

ausgerichtet von der Gesellschaft für Japanforschung e.V. (GJF)
und der Japanologie der Universität Halle-Wittenberg

29. September bis 2. Oktober 2009

an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

 Eröffnung
 Geschichte
 Gesellschaft
 Informationswissenschaft
 Kunst
 Linguistik
 Literatur
 Medien
 Philosophie
 Politik
 Recht
 Religion
 Theater
 Wirtschaft
 Japanische Kindheiten
 Mädchen im Moratorium
 Gewichtung von Publ. im
 japanologischen Wissen-
 schaftsbetrieb
 Der mobilisierte Bürger?
 Doktorandenpanel
 Studentenpanel
 Abschlusspanel
in Zusammenarbeit mit:
Gesellschaft für Japanforschung (GJF)
Japan Foundation
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Panel:
DER MOBILISIERTE BÜRGER? ASPEKTE EINER ZIVILGESELLSCHAFTLICHEN PARTIZIPATION IM JAPAN DER KRIEGSZEIT (1931–1945)

Leiter: Dr. Maik Hendrik SPROTTE und Tino SCHÖLZ
Donnerstag, 1.10.2009  |   Hörsaal F

08:45−09:00

Einleitung

09:00−09:30

Thomas BÜTTNER (Heidelberg): Führer oder Geführte? In- und Exklusion bürgerlicher Eliten in der „Vereinigung zur Unterstützung der kaiserlichen Herrschaft“ (Taisei yokusan-kai)

09:30−10:00

Maik Hendrik SPROTTE (Halle): Ein „einig Volk von Brüdern“? – Techniken der Mobilisierung und Solidarisierung in Nachbarschaften

10:00−10:30

Nobuhiro YANAGIHARA (Tōkyō): Zur (un)freiwilligen Beteiligung der Frauen an der Wehraktivität – Die „Frauenvereinigung zur Landesverteidigung“ (Kokubō fujin-kai) 1931–1945

10:30−11:00

Tino SCHÖLZ (Halle): „Sich um die Versehrten und Hinterbliebenen im Geiste echter Mütter und Schwestern kümmern.“ Wohlfahrtsorganisationen für Kriegsopfer

11:00−11:30

Hideto HIRAMATSU (Halle): Für wen engagieren sich Bürger? Das „System der Armenpfleger“ (hōmen iin-sei) im Fünfzehnjährigen Krieg

11:30−12:00

Jan SCHMIDT (Bochum): Cui bono? Die Kampagne zum Ausbau des Kashihara-Schreins für die Feierlichkeiten zur „2600jährigen“ Reichsgründung 1940

12:00−12:30

Abschlussdiskussion



ABSTRACT:
Der mobilisierte Bürger? Aspekte einer zivilgesellschaftlichen Partizipation im Japan der Kriegszeit (1931−1945)

Die Vorlage einer „Geschichte der japanischen Bürgergesellschaft“ steht noch aus. Auch wenn Einzelstudien zu zivilgesellschaftlichen Engagements im Japan nach 1945 gelegentlich die möglichen historischen Wurzeln in die Analyse einbeziehen, erweist sich das Narrativ vom erstmaligen Entstehen bürgerschaftlicher Strukturen im demokratisierten Japan nach 1945 als vorherrschend. Gleichwohl ist es lohnenswert, die Frage der japanischen Zeitgeschichtsforschung aufzugreifen, ob es unter dem autoritären Herrschaftssystem Japans in der Hochphase des Ultranationalismus vor 1945 nicht auch Elemente einer eigeninitiativen Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten im japanischen Mutterland am Prozeß einer Mobilisierung materieller wie humaner Ressourcen vor dem Hintergrund der Vorbereitung und Führung eines „Totalen Krieges“ (sōryokusen) gab. Von Interesse ist hierbei, welcher Charakter diese Beteiligung kennzeichnete und worauf sich deren Ziele richteten. In einem zweiten Analyseschritt wäre im Falle einer Befürwortung der ersten Prämisse zu fragen, welche Bedeutung dieser Befund für die Herausbildung einer Bürgergesellschaft in Japan hat.

Exemplarisch soll an einer Auswahl von Organisationsformen unterschiedlicher Provenienz bzw. von Handlungsfeldern untersucht werden, welche Rolle dem Volk im „Fünfzehnjährigen Krieg“, also zwischen dem Mandschurischen Zwischenfall 1931 und der Niederlage Japans im August 1945, im Rahmen der von den Machthabern vorgegebenen und sakrosankten Konstitutionsbedingungen des japanischen Herrschaftssystems zugeschrieben wurden, in welchem Umfang daneben aber auch Formen einer bürgergesellschaftlichen Partizipation bestanden und inwieweit diese herrschaftsstabilisierend wirkten.

Das Erkenntnisinteresse richtet sich folglich erstens auf die Beantwortung der Fragestellung, ob das japanische Volk im Untersuchungszeitraum ausschließlich als Summe von Untertanen und Objekt des Mobilisierungsprozesses, sondern zeitlich parallel zugleich als dessen Subjekt interpretiert werden kann, ob es also zivilgesellschaftlich quasi an den eigenen Ketten schmiedete, in die man es legte, sowie zweitens auf das Problem, wie ein möglicherweise zu konstatierendes zivilgesellschaftliches Handeln bis 1945 im Hinblick auf den Entstehungsprozeß bürgerschaftlicher Handlungsmuster nach 1945 bewertet werden muß.


Kontakt:

Mail-Hendrik Sprotte: maik-hendrik (at) sprotte.name
Tino Schölz: tino.schoelz (at) japanologie.uni-halle.de